Fertighäuser aus den 70ern

Wenn man in Fertighäusern besonders aus den 70er Jahren eintritt, steigt einem oft ein spezifischer Geruch in die Nase. Man spricht vom sogenannten „Fertighausgeruch„. Was ist das?

Viele beschreiben ihn als muffig bis schimmelig, ohne dass ein konkreter Schimmelschaden vorhanden ist. Was man riecht, sind sogenannte Chloranisole. Diese entstehen, wenn Phenole, Chlorphenole oder Chlorbenzole von Bakterien u.a. Mirkoorganismen abgebaut werden. In Fertighäusern ist z.B. oft Pentachlorphenol (PCP) als Holzschutzmittel verwendet worden.

Die Chloranisole führen nicht zu einer toxischen Gesundheitsgefährdung. Die Geruchsbelästigung kann jedoch sehr einschränkend wirken und massiv sein. Sie sind auf jeden Fall ein Hinweis auf mögliche weitere Schadstoffe.

2,4,6 Trichloranisol

2,3,4,6 Tetrachloranisol

Seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts werden in Deutschland Fertighäuser gebaut. Einen starken Anstieg von dieser Art Häusern gab es in den 70er Jahren. Die Fertighäuser, die in der Zeit bis Ende der 80er Jahre gebaut wurden, können aus mehreren Gründen gesundheitliche Probleme verursachen.

Dies liegt vor allem an der Bauart und an den verwendeten Materialien. Im folgenden Bild sehen Sie den typischen Aufbau einer Fertighauswand aus dieser Zeit.

Die Rippen sind in der Regel aus Holz, die Beplankung aus Holzfaserplatten und der Dämmstoff aus Mineralwolle. Alle drei Bereiche können problematisch sein:

  • Holz: Die Holzkonstruktion der Fertighäuser besteht in der Regel aus Nadelschnittholz. Dieses gilt als unproblematischer Baustoff. Ab 1956 wurde aber mit der DIN68800 eine Bestimmung eingeführt, dass Bauholz vorbeugend gegen tierische und pflanzliche Schädlinge (Holzschutzmittel) behandelt werden sollte. Die bekanntesten Fungizide sind Pentachlorphenol (PCP) und Dichlofluanid, bei den Insektiziden sind es Lindan und DDT. Im Frankfurter Holzschutzmittelprozess (1991-1993), Stichwort „Xyladekor“, kamen die schweren Erkrankungen, die durch Einatmen von Holzschutzmitteln, insbesondere PCP, verursacht wurden, an die Öffentlichkeit. PCP wurde 1989 verboten, Lindan wird seit 1984 in der BRD und seit 1989 in der damaligen DDR nicht mehr hergestellt und in entsprechenden Holzschutzmitteln nicht mehr eingesetzt.

Pentachlorphenol (PCP)

Lindan

  • Holzfaserplatten (Holzwerkstoff): Zum Teil wurden die aussteifenden Platten auch mit Holzschutzmittel behandelt (siehe „Holz“). Bei den Holzfaserplatten, insbesondere bei den vielfach verwendeten Spanplatten kommt noch hinzu, dass diese herstellungsbedingt Formaldehyd ausgasen. Formaldehyd ist ein farbloses, wasserlösliches, stechend riechendes Gas, dass zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen wie u.a. Reizung der Atemwege und Kopfschmerzen führen kann und seit 2004 von der WHO als für den Menschen krebserregend eingestuft wird. Das Problem ist, dass Formaldehyd im Kleber der meisten verwendeten Holzfaserplatten enthalten ist und über die gesamte Lebensdauer dieser Werkstoffe ausgast.
    Weitere Informationen zu Formaldehyd:
    Formaldehydbelastung im Haus

Formaldehyd

  • Alle Holzwerkstoffe haben zudem das Problem, dass sie Ameisen- und Essigsäure ausgasen.
    Ameisensäure ist eine farblose, stechend riechende, leicht flüchtige Flüssigkeit, die beim Einatmen ätzend sowie gesundheitsschädlich wirkt.
    Essigsäure wirkt in höheren Konzentrationen gesundheitsschädlich vor allem durch Irritation der Atemwege.

Ameisensäure

Essigsäure

  • Wenn Feuchtigkeit in den Bereich der Dämmstoffe gelangt, können diese anfangen zu schimmeln, ohne dass es die Bewohner mitbekommen. Deshalb ist eine Luftkeimmessung zur Sicherheit anzuraten. Zudem stehen alle Mineralfasern, die vor 1995 produziert wurden, im Verdacht, krebserregend zu sein. Hier ist es entscheidend, ob überhaupt Fasern in die Innenraumluft gelangt sind z.B. durch unsachgemässe Innenraumarbeiten.

Mineralwolle mit Schimmelschaden

  • Die Außenbeplankung der Fertighäuser kann z.T. aus Asbestfaserzementplatten bestehen. Diese gehören zu den „festgebundenen Asbestprodukten“. Asbest wird bekanntlich erst dann zum Problem, wenn die Fasern freigesetzt werden und man sie einatmet.
    Weitere Informationen zu Asbest:
    Fasern und Partikel (Asbest)
    Asbest – die schlummernde Gefahr

Asbestfasern unter dem Rasterelektronenmikroskop

Baubiologische Beratungsstelle IBN

Dipl. Ing. (FH)
Baubiologe (IBN)

Claudius Pöppinghaus

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von Schimmelpilzschäden (TÜV)

Baubiologischer Messtechniker